Freitag, 22. August 2014

-9- Leben und Sterben auf San Chotic


Ich ergreife diesen Augenblick der Fertigstellung des ersten professionellen Exemplars meiner Insel San Chotic, um euch diese kleine Welt ein wenig näherzubringen.


San Chotic entstand damals im Herbst 2009, kurz bevor mein komplettes Leben endgültig aus den Fugen geriet. Die Schulzeit war damals inspirierend wie eh und je, vor allem, durch meine ehemalige Banknachbarin und sehr gute Freundin, die sich ebenfalls schon seit sehr langer Zeit mit dem Schreiben beschäftigt. Ob die Insel letztendlich in einer Englischstunde oder Deutschstunde oder während einem anderen Fach entstand, ist mir heute nicht mehr bekannt und ohnehin seit dem Zeitpunkt irrelevant, als mir der Name San Chotic in den Kopf kam. 
Kurz darauf entstand bereits der erste Entwurf. Einfach und knapp hingesaut, die ersten Ortsnamen wurden eingetragen und mit groben Linien voneinander abgegrenzt. 
Auch war San Chotic ursprünglich eine Insel voller Legenden, Legenden, die sich wie ein dunkler Schleier über diese Insel zogen. Auch heute, fast fünf Jahre später, gibt es immer noch zumindest einen Teil der Insel, der sich in einem düsteren Bereich bewegt, mit Geschichten umwoben, welche bisher ungeklärt blieben und als Gruselgeschichten für die Kinder dienen, die auf dieser Insel einen Platz finden. 
In den letzten Jahren hat San Chotic immer wieder ein paar neue Feinschliffe erhalten und hier und da wurde etwas hinzugefügt, verändert oder entfernt. 
Das hier - entstanden am heutigen Tage, dem 22.08.2014 - ist die erste professionelle Version, an der ich fast drei Stunden herumgewerkelt habe, bis alles genau so war, wie ich es mir vorstelle. 

San Chotic besteht aus fünf Bezirken: 
El Devizio ist der wärmste Bezirk der Insel, es ist dort sehr trocken, sandig und es gibt viele Berge. Vielleicht ist dieser Bereich entstanden, weil ich so eine Liebe für Texas und Cowboys und Sonne empfinde. Irgendwie erinnert mich das Ganze etwas an Shang-High-Noon, ein Film, der mir schon immer sehr viel Freude bereitet hat.

Eporya gleicht Californien, oder ähnlichen Orten der USA, die an der Küste liegen. Viele meiner Charaktere haben das Meer praktisch vor der Haustür und genießen ein wunderbares Leben in der Sonne und gut betuchten Vierteln und Wohnorten. Hier zu leben muss man sich leisten können. Diese Ortschaften sind für mich immer eine sehr beliebte Wahl, weil ich es einfach liebe auf der Sonnenseite des Lebens zu sein, gerade wenn das meist nur durch meine Geschichten funktioniert, die ich schreibe.

Dilorna ist ein Bezirk, der viel aus Wäldern und Wiesen und einem sehr großen See besteht, aus dem auch ein Fluss entsprungen ist, der aber nicht bis ins Meer reicht, sondern vorher endet. Im Grunde ist es also eher eine Art Quelle oder Bach - wie auch immer nun die richtige Bezeichnung für etwas wäre, das ich mir erfunden habe. (;

Contaria ist der Bezirk, der im Grunde Deutschland, England, Paris und diesen ganzen uns bekannten Ländern am Ähnlichsten ist. Es gibt ganz schlichte, gewöhnliche Städte und zwischen ein paar Verrückten und noch unbekannten Menschen, einfach ganz normale Leute.

Toherra ist der Bezirk, der mir neben El Devizio am liebsten ist. Er verkörpert all die düsteren Dinge, die ich so liebe und in einigen Geschichten unbedingt unterbringen muss und möchte. Die Klippen am Meer sind dort nicht braun und sonnig, sondern schwarz und neblig und die Wellen sehen viel bedrohlicher aus, wie das ganze Allgemeinbild dieser Umgebung auch. Hier spielen zukünftig auch einige meiner Fantasygeschichten, vielleicht sogar eine Art Dystopie und vieles, was einfach einen Hauch Grusel beinhalten wird.

Das Leben auf dieser Insel ist - wenn es in den jeweiligen Geschichten nicht anders erwähnt wird - nicht viel anders, als unseres hier. Im Grunde gelten die Gesetze von Deutschland, mit denen ich eben aufgewachsen bin. Da die Insel aber letztendlich verborgen von unseren Augen im Pazifik liegt, ist es meistens der Fall, dass ich auf vieles Amerikanische zurückgreife. Da San Chotic aber nun mal eigenstehend ist und mir - wie jedem Autor eben - in der eigenen Fantastik keine Grenzen gesetzt sind, lege ich mich da letztendlich auf nichts Genaues fest, solange aber die Allgemeinheiten stimmen, die uns alle durch das Leben begleiten. Die heutige Zeit, das heutige Leben, die heutigen Gesetze.

Ich hoffe, der kleine Einblick in San Chotic hat euch gefallen und wird euch zukünftig ein wenig Freude bereiten, wenn ihr die Reisen oder die Aufenthalte meiner Charaktere durch diese Karte ein wenig verfolgen könnt. Lasst euch in diese Welt entführen, so wie ich es seit jeher tue. (:




Sarah Jordan

Donnerstag, 21. August 2014

-8- Fantastische Gitterstäbe

D. Sharon Pruitt, Beach Reflection in Blue, Quelle: piqs.de


Es gibt Momente, in denen schreibt man. Und es gibt Momente, in denen lebt man das, was man schreibt. Dieser Roman, der bald in die Welt gelassen wird, hat mich mit jeder geschrieben Zeile immer weiter von der Realität entfernt. 
Wenn ich mit dem Schreiben aufhören musste, weil das Leben noch aus gewissen anderen Dingen besteht, fühlte ich mich unruhig, irgendwie einsam, so als würde ein Teil von mir abwesend sein. Es war ein ähnliches Gefühl wie Liebeskummer. Man weiß, dass das, was man haben will, irgendwo ist, man kann aber gerade nicht darauf zugreifen. 
Meine Charaktere in dieser Geschichte sind für mich so echt, dass ich mich nicht bloß bei ihnen zuhause fühle, sondern eher so, als würde mich eine übernatürliche Kraft mit dem Lesen der von mir geschriebenen Worte einsaugen. Ich habe keine Chance mehr zu entkommen. 
Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes für mich und seitdem es fertiggeschrieben ist, habe ich zu keinem anderen Manuskript mehr Zugang gefunden, obwohl ich so einige Handlungen auf meinem Computer herumfliegen habe. Nichts erscheint mir richtig, nichts erscheint mir gut genug. Ich will einfach immer wieder zurück. Zurück zu diesem einen Buch. 
Wie wird es weitergehen, wenn ich die letzte Überarbeitung abschließe? Wie wird es sich anfühlen, meine Charaktere - meine Freunde - zurücklassen muss, um die Geschichten der anderen Bewohner meiner Insel niederzuschreiben. 
Es wird ein Abschied, der ähnlich schwer für mich sein wird, wie der von meinem Erstlingswerk 'Melancholie', das bald beim Traumstunden Verlag ins Lektorat gehen soll. 
Es ist immer wieder faszinierend, wie man sich an etwas klammern kann, das es gar nicht wirklich gibt. Spannend zu sehen, wie intensiv die menschliche Fantasie ist, wie ausgebreitet, wie mächtig sie ist.
Erschreckend, was sie anstellen kann und wie unfassbar schön, dass es sie gibt. 




Sarah Jordan







Montag, 11. August 2014

-7- Freiheitstribute


Wir wissen zwar alle, wie man das Wort Freiheit definiert, aber was es wirklich bedeutet frei zu sein, das erkennen nur wenige von uns. Ich habe gelernt, dass es heißt frei zu sein, wenn man tut, was man will, mit den Menschen, mit denen man möchte und an den Orten, die man sich aussucht. Man ist frei, wenn man voll und ganz man selbst sein kann und Weggefährten hat, die einen genauso akzeptieren. 
Viele Menschen kämpfen ihr Leben lang darum, akzeptiert zu werden, anstatt sich einfach Freunde zu suchen, die dies von sich aus tun. Frei sein heißt, sich nicht zu verstellen - weder für sich noch für die anderen. Freiheit bedeutet, sich nicht um gestern oder morgen zu kümmern, sondern jetzt zu leben und den Moment zu genießen. Jeder Versuchung nachzugeben und nichts zu bereuen, was einen einst glücklich gemacht hat. Frei zu sein ist etwas Wunderbares. Aber genauso schmerzhaft kann es auch sein. 

Niemand hat je behauptet, dass Freiheit nicht auch seinen Preis hat.

[Sommerregen, Act 2, Sarah Jordan]




Sarah Jordan


Montag, 4. August 2014

-6- Bittersüßer Tod


Des Todes bittersüßes Lächeln, eine umhüllende Symphonie. Wir hören alle den Klang von Zeit zu Zeit, sein Singen, sein Flüstern, welches uns auf Abwege führt. Einfach mal faul sein, einfach mal nichts tun - wie verführerisch das klingt. Doch sieht der Wenigste nur im Spiegel, dass der Tod ihm dabei den Kopf streichelt. Nichts tun heißt Stillstand und Stillstand heißt sterben. Der Tod ist immer in der Nähe und summt seine Melodie, die in unseren Köpfen so betörend klingt. 
Einfach vergessen, einfach nicht nachdenken, wie leicht es klingt und manchmal auch ist - doch die Folgen bedenkt man nicht. Vergessen heißt sein Leben leugnen, vergessen heißt sterben. Stück für Stück, von Zeit zu Zeit. Wir wollen vergessen, aber sterben wollen wir nicht.
Wie nah diese Dinge beieinander liegen, wie nah des Todes weiche Finger sind, wie sie uns streicheln Nacht für Nacht, Morgen für Morgen und Tag für Tag. 
Wir greifen immer wieder nach seinen Fingern, doch packt er uns nicht bei der Hand. Rechtzeitig werden wir wach und tun etwas - wir denken, wir arbeiten, wir leben. Doch je öfter wir der süßen Stimme folgen, desto näher kommen wir seiner Gestalt. Leben wir, so viel wir können. Denken wir, so oft wir Zeit finden und tun wir etwas, solange uns Zeit bleibt. Der Tod ist immer da, immer in der Nähe. Er beobachtet einen jeden von uns. Und er ist bereit zuzupacken. 



Sarah Jordan