Montag, 24. März 2014

-2- Warum Schreiben mir das Leben rettet


Eine Frage, die wohl jedem Schriftsteller im Laufe seines Lebens mal gestellt wird, ist:
Warum schreiben Sie?


Warum man schreibt - jedenfalls ist es bei mir so - lässt sich nicht in einen Satz packen. Das Schreiben hat für mich vielerlei nützliche Funktionen, wenn man mal davon absieht, dass es sich schon immer als eine Leidenschaft herauskristallisiert hat.
Im Kindesalter war schon zu sehen, dass meine Fantasie sehr ausgeprägt ist. Ich spielte viel und gerne alleine, zeichnete gern, erfand Geschichten, lernte Gedichte auswendig, las freiwillig in meinem Lesebuch aus der Grundschule, liebte den Deutschunterricht und spielte oftmals lieber mit imaginären Freunden als mit meinen richtigen.



Meine Fantasie ist grenzenlos...



Oft musste ich in meinem Leben auch schon feststellen, dass ich aus jeder emotionalen Situation etwas Faszinierendes ziehe, über das ich schreiben kann. Das passiert ganz unbewusst, aber ich merke, dass ich mir immer denke: Mensch, was könntest du da eine mitreißende Geschichte draus machen. Dabei ist es völlig egal, ob diese ursprüngliche Situation positiver oder negativer Natur ist. Selbst auf Beerdigungen denke ich mir, dass das alles zwar echt schlimm ist, aber auch diese Erlebnisse geben mir Romanstoff. Das mag für Außenstehende etwas makaber klingen, und vielleicht bin ich auch einfach nur ein bisschen verrückt, aber ich bin mir sicher, dass manche andere Schriftsteller, dieses Gefühl nachvollziehen können. Das Leben kann eine einzige Show sein, wenn man sie mit den Augen eines Schriftstellers sieht.



Ich hab mich in die Worte verliebt...



Auf jeden Fall ist es so, dass ich aus verschiedenen Gründen zum Schreiben gekommen bin und es auch aus noch mehr unterschiedlichen Gründen fortführe.

Da wären erst mal die Dinge, auf die ich keinen direkten Einfluss habe. Zum Beispiel die angeborene kreative Ader, die Leidenschaft für Worte, die ich schon immer in mir trug. Ebenso meine nächtlichen Träume, die oftmals so kurios und skurril sind, dass ich dass seit Jahren ein Traumtagebuch führe, um erstmal eine Erinnerung an all das zu haben und diese Momente festzuhalten und zum anderen natürlich, um daraus nützliche Aspekte für Geschichten zu ziehen. 
Es ist nicht nur einmal passiert, dass mir nachts ein Titel durch den Traum geschossen ist, aus dem im Endeffekt ein neuer Roman geworden ist, oder dass eine Situation sich in mir so festgesetzt hat, dass ich sie einfach aufschreiben und in Worte verpacken musste.
Ich bin selbst sehr begeistert davon, dass ich meine Träume so intensiv erleben kann. Sie sind intensiv, sie scheinen mir fast immer unfassbar real und sie sind so authentisch, dass sie meinen Tag beeinflussen können. Das heißt, wenn mir im Traum etwas Schlechtes widerfahren ist, was mich wütend oder traurig gemacht hat, kann ich damit rechnen, dass ich den ganzen Tag mies drauf bin oder dass meine Ängste wieder stärker hervortreten, weil mich ein unsicheres und unwohles Gefühl im Kopf weiter begleitet. 



Meine Träume sind sehr real...



Und da kommt dann ebenfalls wieder das Schreiben ins Spiel. Die emotional schlechten Tage kann ich genauso nutzen, wie die emotional guten. Ich kann mich in meine Geschichten flüchten, meine Probleme damit gleichzeitig ein Stück weit vergessen und filtern, kann die Wut rausschreiben, kann sie in die Gefühle meiner Charaktere einfließen lassen, den Kopf wieder freibekommen. 
Wenn ich sehe, wie die Worte sich formen, frei und ohne, dass ich darüber viel nachdenke, breitet sich ein freies und gutes Gefühl in mir aus. Freiheit, Stolz und Glück. Das Schreiben ist wie eine Therapie für mich, und das ist es für sehr viele Menschen.
Das wäre dann ein weiterer Punkt, wieso ich mich bewusst für das Schreiben entschieden habe. Es hilft mir, mit dem Alltäglichen besser zurecht zu kommen, mit mir selbst besser zurecht zu kommen, meine Gedanken zu sortieren, mich daran zu erinnern, dass ich etwas gut kann, auf mich stolz sein kann und etwas schaffe, was andere Menschen berührt.
Das Schreiben ist nicht nur etwas, was in mir steckt, sondern auch etwas, was mir durch schwere Zeiten hilft.



Jeder Mensch braucht ein Ventil...



Vor allem hilft mir das Schreiben aber dabei, nicht durchzudrehen. Ich glaube, wenn ich dieses Ventil nicht hätte, wäre ich längst wahnsinnig. Kreative Menschen neigen zu einer enormen Fantasie, welche sich nicht immer positiv auswirken kann. Wo bei einem nicht kreativen Menschen die Fantasie irgendwann einen Cut aus Selbstschutz macht, denken kreative Köpfe viel weiter. So entstehen auch wahrscheinlich die schrägen Ideen aus Horrorbüchern oder Thrillern. In Situationen, wo jemand anderes bloß Auto fährt und sich die Straßen ansieht, denken die Kreativen zum Beispiel, was wäre, wenn dort jemand am Straßenrand stände und sich dort einfach mal die Hand abschneidet.
Wenn man unter Panikzuständen leidet, wie ich, dann kann sich diese große und weiträumig Fantasie falsch auswirken und noch größere psychische Probleme bereiten. Denn dieses kreative Denken lässt sich nicht einfach mal einschränken. Daher bin ich sehr froh, dass ich alle Gedanken, alle Gefühle und alle Ängste einfach auf Papier bringen und ihnen damit den Wert nehmen kann. Ich kann loslassen, in Kisten packen und auf den Dachboden verfrachten.


Das Schreiben ist für mich mein Leben. Wenn ich nicht mehr schreiben dürfte, wenn ich keine Worte mehr in mir finden würde, wäre ich leer. Eine leere Hülle. 
Ich liebe die Worte und ich liebe mich dafür, dass ich sie schreiben kann. Dass ich die richtigen Worte an die richtige Stelle bekomme, dass ich mit meiner Sprache Menschen berühre und auch mich selbst. Und ich liebe die Geschichten, die ich erfinde, weil ich damit so viel erleben kann, was ich sonst im Leben zweifellos verpassen würde. Das Schreiben ist ein Abenteuer, das täglich neu beginnt und immer wieder andere Richtungen einschlägt.


Wenn ich nicht schreiben würde, wäre ich nichts.


Sarah Jordan




Freitag, 14. März 2014

-1- Ein Einblick in das Künstlerleben



Was hast du gemacht, bevor du dich 

entschlossen hast, Künstler zu werden?


Ich war Kind. Ich war Kind und ich wollte Astronautin werden. Das war im Kindergarten und nachdem ich in die Schule kam war eigentlich ziemlich schnell klar, dass mein Herz für die Kreativität und die Fantasie schlug und das Tagträumen für mich gefunden hatte. Der Wunsch meine Hobbies und Leidenschaften zum Beruf zu machen war eigentlich schon in meinen frühesten Lebensjahren vorhanden, nur noch nicht so ausgeprägt. Das Alles wuchs dann sozusagen mit mir heran.


Wann hast du deine kreativen Talente 

zum ersten Mal entdeckt?


Das war dann wohl in der Grundschule. Meinen Eltern war zwar schon vor dieser Zeit bewusst, dass ich eine enorm große und starke Fantasie hatte. So stark, dass ich mich vollkommen mit mir allein beschäftigen konnte, tagelang, es hätte mir nichts ausgemacht. Ich malte, ich spielte, ich dachte mir Geschichten aus, hatte auch einige imaginäre Freunde, meine Stofftierkatzen konnten miauen und egal was ich tat, am liebsten tat ich es alleine. Somit glaube ich, dass schon immer ein Künstler in mir steckte, der in seiner ganz eigenen Welt lebte, in der andere nur Gast sein konnten, weil sie diese nicht verstanden hätten. 
In der Grundschule kamen dann allerdings diese lustigen Vier-Wort-Geschichten dazu, aus der man eben eine kreative Geschichte zusammenstellten sollte. Ich war davon immer hellauf begeistert und soweit ich mich erinnere, gingen diese Geschichten schon ab und an über ein paar Seiten. Meine Eltern waren immer erstaunt und auch stolz darüber, wie solche Dinge in meinem Kopf so schnell entstehen konnten. Leider weiß ich nicht mehr, ob diese je benotet wurden und wenn ja, wie meine Zensur ausgefallen war. Aber das ist egal, meine Fantasie war groß und ich mochte meine Geschichten. Ist das nicht ohnehin das Wichtigste?



Welche Botschaft willst du deinen 

Lesern überbringen?


Ich möchte meinen Lesern ihre eigene Welt näher bringen. Ihre eigene Welt, die sie weitgehend im Alltag ignorieren, nicht absichtlich natürlich, aber wegen der Routine. Wer achtet wirklich noch auf das Vogelgezwitscher, wenn man nach einer Acht-Stunden-Schicht nach Hause kommt, wer schaut sich heute noch Wolkenbilder an, wenn er mit seinen Freunden etwas grillen und trinken kann? Die heutige Generation ist zu sehr mit sich selbst und irgendwelchen Statussymbolen beschäftigt, damit beschäftigt irgendwer zu sein und zu werden, worüber sie aus den Augen verlieren, wie viel wertvolle Schönheit um sie herum zu finden ist.
Aber es ist nicht nur das, was ich hervorheben möchte, sondern auch das Zwischenmenschliche. Ich möchte den Lesern mit meinen Geschichten und Worten die Augen öffnen. In jeglicher Hinsicht. Es gibt in unendlich vielen Themen und Varianten etwas, wovor die Menschen die Augen verschließen wollen oder etwas einfach nicht erkennen. Nicht erkennen, worum es im Leben wirklich geht und was wirklich am Ende des Tages zählt.
Des Weiteren bedeutet es mir natürlich einfach viel die Menschen auch zu berühren. Ich möchte sie zum Lachen aber auch zum Weinen bringen, sie mitfühlend machen, ihnen zeigen, was Geschichten erzählen können, wohin sie dich entführen und was sie bewirken können. 



Geschichten, Titel und andere 

Ideen. Woher nimmst du die 

Inspiration?


Das ist immer eine Frage, die ich einerseits gerne und andererseits gar nicht gerne beantworte. Meine Inspiration nehme ich aus dem Alltag, aus allem, was mich umgibt. Es gibt selten einen Film oder ein Lied, das mich inspiriert oder mir gewisse Blitzgedanken in den Kopf schießt. Mehr passiert das durch die Natur, durch eigene Gedanken, durch meine nächtlichen Träume und durch das Leben an sich.
Die meisten Ideen zu Geschichten entstehen plötzlich, ohne dass ich weiß, was darauf Einfluss nahm. Es passiert nichts Besonderes in dem Augenblick, mein Gehirn ist einfach ständig am Arbeiten und irgendwann habe ich ein Bild im Kopf, eine Szene, einen Augenblick, den ich wirklich fühle und der mir seine eigene Geschichte zu erzählen beginnt, die ich mir dann einfach notiere und daraus eventuell eine Geschichte entwickle. Ich kann dabei nicht nachvollziehen, wie diese Idee entstanden ist, sie ist dann einfach da, ohne Vorwarnung oder Anzeichen.
Da ich ein Mensch bin, der so gut wie jede Nacht sehr lebendig träumt und sich diese Träume auch so gut wie immer merken kann, hat mir auch dies schon öfter eine Idee zugespielt. Mein derzeitiger Roman ist durch einen solchen Traum entstanden, jedenfalls der Titel. Ich träumte irgendetwas, was ich jetzt nicht mehr weiß, aber dieser Titel war in meinem Kopf präsent. Ich wurde wach und machte mir mitten in der Nacht Notizen, weil ich Angst hatte, diesen Titel wieder zu vergessen. Am nächsten Morgen war dann mein erster Weg an den Computer und ich schrieb mir zu diesem Titel eine Handlung. Im Endeffekt ist es einer meiner bisher besten Handlungsstränge geworden, und davon gibt es verdammt viele. Diese Geschichte und diese Fantasie hat mich in dem Augenblick selbst wieder begeistert und ich bin richtig euphorisch, die Geschichte so schnell wie möglich an den Mann zu bringen, um sie der Welt zu zeigen. Aber das wird noch dauern, denn sie ist sehr komplex.



Wie ist deine finanzielle Basis und wie 

kommst du damit zurecht?


Irgendein schlauer Mann hat mal gesagt, über Geld spricht man nicht. An diesen Spruch halte ich mich auch weiterhin. Niemanden geht mein genauer Verdienst etwas an und wenn ich reicht wäre, würde ich damit genauso wenig prahlen, wie ich darüber jammern würde, dass ich arm wäre.
Aber um euch trotzdem eine halbwegs vernünftige Antwort zu liefern, mit der ihr etwas anfangen könnt, möchte ich einfach darauf hinweisen, dass ich leben kann. 
Ich verdiene mit meiner Fotografie, so wie mit meinem Schreiben und zusätzlich gönne ich mir ein Taschengeld durch meine Videos auf Youtube.
Ich bin noch nicht in der Lage mein Leben so zu führen, wie ich es als Künstler und Schriftsteller gerne würde, aber ich arbeite darauf hin, mir meine Träume zu erfüllen. 
Und eines ist schon mal ganz sicher: Lieber kratze ich als Künstler am Existenzminimum herum und ernähre mich von den immer noch verzehrbaren Resten aus den Supermärkten, bevor ich einen Job ausführe, der mich im Herzen nicht glücklich macht.


Bist du mit diesem Leben 

glücklich?


Allerdings. Sehr sogar. Was meine Berufswahl betrifft, hätte ich mich nicht besser entscheiden können. Es ist genau das, was ich immer machen wollte und das, wofür mein Herz schlägt.
Natürlich gibt es im Leben eines Jeden Dinge, die man gerne ändern oder verbessern würde, so gibt es diese bei mir allemal. Aber diese Dinge beziehen sich nicht auf mein berufliches oder kreatives Dasein.


Wie sieht dein Tagesablauf aus?


Das richtet sich, wie alles andere auch, ganz nach der künstlerischen Freiheit. (: 
Ich plane meinen Tagesablauf nicht. Jedenfalls nicht sonderlich. Natürlich habe auch ich eine gewisse Reglung drin, wonach ich mich richte, aber zwischendrin kann sich da immer alles Möglich einfügen oder ausklinken. 
Im Grunde würde ich sagen, dass ich morgens nach dem Aufstehen und beim gemütlichen kleinen Frühstück erst einmal meine Mails und all das Zeug am Computer abarbeite, ebenso die zu bearbeitenden Fotos von Shootings, so wie auch die Mails und Kommentare auf und von Youtube. Sofern keine Arbeitstermine anstehen wird die Zeit danach völlig frei mit meinem Partner genutzt. Da kann es dann bei schlechtem Wetter auch mal sein, dass ich mich am Mittag schon mal an ein Manuskript setze. Es könnte aber auch sein, dass ich einfach lese oder mit ihm einen Film schaue und die Seele baumeln lasse. Im Sommer das gleiche Spiel, entweder ich nehme die Arbeit mit raus, oder ich mache zumindest ein paar Fotos, die ich dann immerhin für irgendwelche Arbeiten und Projekte nutzen kann. Kreativ bin ich also den lieben langen Tag.
Nach dem Abendessen, dass ich recht früh zu mir nehme, setze ich mich dann meist für ein paar Stunden an das Manuskript und schreibe. Wenn ich dann denke, dass es reicht oder ich mir über die kommenden Szenen einfach noch mehr Gedanken machen muss, schalte ich ab und lese oder tu irgendetwas, was mich von meiner Arbeit ein wenig ablenkt und was den Kopf frei pustet für neue Inspiration. 


Wie viel Zeit widmest du deiner 

Kunst? Gibt es ein Tagespensum?


Ein wirkliches Tagespensum habe ich mir noch nie gesetzt. Ich finde, dass man am besten arbeitet, wenn man nicht unter Druck steht. Jedenfalls ist das bei mir so. Andererseits muss ich aber auch zugeben, dass ich unter Zeitdruck mehr tue. Im Grunde ist mir also beides recht, das Problem ist nur, dass ich meine eigenen gesteckten Ziele nie ernsthaft verfolge, weil es ja keiner kontrolliert. Deswegen lasse ich das jedes Mal schleifen und tue ohnehin, was mir gefällt. Deswegen finde ich es gar nicht verkehrt, wenn der Verlag einem einen Termin gibt, an den man sich zu halten hat.
Ich widme meiner Kunst im Gesamten eigentlich einen sehr großen Teil des Tages. Bei einem Schriftsteller ist es ja so, dass er im Grunde fast nie wirklich mit dem 'Arbeiten' aufhört. Nur weil der Computer abgeschaltet ist, ist es der Kopf noch lange nicht und man geht die Szenen vielleicht in Gedanken durch und baut sie aus und es kommt immer mehr dazu. Von daher würde ich schon sagen, dass die Kunst von mir sehr viel Aufmerksamkeit bekommt, sei es nun das Schreiben oder die Fotografie.


Würdest du deinen Beruf gegen einen 

anderen eintauschen?


Niemals. 
Kein Beruf könnte mein Leben so erfüllen, wie der des Schriftstellers.



Sarah Jordan